Medien und Krieg Staatliche Presselenkung und Propaganda

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Medien und Krieg Staatliche Presselenkung und Propaganda unter besonderer Berücksichtigung der Kunstgruppe in der Österreichisch – Ungarischen Monarchie

escursione

 

Foto: österreichisches Staatsarchiv Unter Militär-aufsicht:

eine Exkursion von österreichischen und unga-rischen Presseberichterstattern an die Isonzofront. Das k. u. k. Kriegspressequartier ließ ein angemes-senes Fahrzeug requirieren.

 

Kriege und Medien waren und sind eng  mit einander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Die Darstellung von Schlachten und erfolgreichen Feldherrn hatte seit der Antike das Ziel, die Bevölkerung für den Krieg zu begeistern. Durch den Fortschritt der Technik standen im Ersten Weltkrieg neue Kommunikationstechnologien wie das Telefon und die Telegrafie zur Verfügung. Fotografie und Film ermöglichten eine neue Dimension der Kriegsberichterstattung und Propaganda.

In Österreich-Ungarn wurde am 25. Juli 1914 das Kriegspressequartier(KPQ) gegründet. Das war damals die zentrale Informations- und Propagandaeinrichtung der k. u k. Doppelmonarchie. Das Kriegspressequartier war dem Armeekommando unterstellt und stand somit unter strenger Kontrolle und hatte auch die Aufgabe Feindpropaganda abzuwehren. Anfänglich wurde nur die Berichterstattung der Printmedien koordiniert. Bis zum Ende des Krieges waren allerdings alle zur Verfügung stehenden medialen Ausdrucksformen, wie zum Beispiel Malerei, Grafik, Fotographie, Theater  und Film, zu finden. Neben einer großen Anzahl von Journalisten gehörten dieser Institution auch Schriftsteller und Maler an. Bekannte Kriegsmaler in der Kunstgruppe waren zum Beispiel Albin Egger-Lienz, Oskar Kokoschka, Anton Faistauer, Ludwig Heinrich Jungnickl und Anton Kolig.

Die Kunstgruppe
Die Kunstgruppe wurde 1915 gegründet und gehörte bis 1917 organisatorisch zum Kriegsarchiv. Ab dem Jahr 1917 unterstand sie direkt dem Kriegspressequartier. Maler und Fotografen hatten die Aufgabe, Ereignisse an der Front zu dokumentieren und das Gesehene  „künstlerisch“ darzustellen.

Im Verlauf des Krieges wurden rund 600 Maler an die Front entsandt. Da man als Kriegsmaler keinen Frontdienst leisten musste, wurde die Mitgliedschaft in der Kunstgruppe von vielen Künstlern angestrebt. Auch Anton Kolig bewarb sich um den Eintritt in die Kunstgruppe. Es war ihm ein echtes Anliegen nicht nur wegen der Freistellung vom Kriegsdienst, sondern auch aus finanziellen Gründen. Aus den angeführten Quellen wird dieser Grund gut ersichtlich.

1916
Anton Kolig an Richard von Schaukal (Maler)

Meine Hoffnung, Sie in Wien zu sehen, wird keine Erfüllung…
Kriegspressquartier hat wieder abgelehnt – wie schwer es doch einem originellen Künstler gemacht wird! Ich bin mit viel Freude an der Arbeit – nur der Kampf ums tägliche Brot furchtbar schwer…..

1917
Anton Kolig ersucht die Militärbehörden um seine Aufnahme als Kriegsmaler
Ich bitte um Einstellung als Kriegsmaler zum Kriegspressequartier. Ich bin 31 Jahre alt. Bei den Musterungen nicht geeignet, bin ich April 1916 zur Hilfsdienstleistung in das Notreservespital II Klagenfurt einberufen worden. Meine Bitte an die Quartiermeisterabteilung des X.A.BK. um Verwendung als Kriegsmaler wurde Folge gegeben, und ich habe ab Juli 1916 sowohl Feldpost 510 als auch an der Front gearbeitet. Nach Auflösung der Kunstgruppe daselbst unter der Leitung des H. Oberleutnant Kainradl bin ich zu meinem Kader nach Teschen eingerückt. Da der Musterungsbefund (Präsentierung 15. Mai 1917) wachdiensttauglich lautet, gehöre ich derzeit der Sup. Abtlg. Des Ersatzbataillons des k. k. Schützen Regiments Nr. 31 an.

Zur Unterstützung meiner Bitte verweise ich auf die persönliche Fürsprache…..Ich werde nicht versäumen, Kunstproben an das Ministerium Kultus und Unterricht zu senden.

Anton Kolig

(Briefe und Dokumente zum „Nötscher Kreis“, hrsg. v. Wilhelm Baum, Verlag Kitab, Klagenfurt-Wien 2004, S.154 – 156)

Im Jahre 1916 wurde Anton Kolig zum Kriegsdienst eingezogen und im Verlauf des Jahres an die italienische Front abkommandiert. Schließlich wurde seinem Ansuchen stattgegeben und Kolig wurde als Kriegsmaler in die Kunstgruppe des Kriegspressequartiers versetzt. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er nach Nötsch im Gailtal in Kärnten zurück und begann dort mit dem Aufbau eines privaten Kunstschulbetriebes.

Sein Schicksal ist exemplarisch für eine Reihe von Künstlern, die während des Krieges ihre künstlerische Laufbahn aufbauten. Anton Kolig gehört heute zur Gruppe der Maler des Nötscher Kreises. In Nötsch befindet sich heute ein kleines Museum, in welchem die Werke dieser Maler (Sebastian Isepp, Anton Kolig, Franz Wiegele und Anton Mahringer) in wechselnden Ausstellun-gen gewürdigt werden.

Die Kriegsmaler wurden für etwa zwei Monate an die Front geschickt und hatten danach „Heimat-urlaub“. Währen dieser Zeit sollten die Eindrücke von der Front künstlerisch verarbeitet  werden. Jedes Monat musste ein Bild abgeliefert werden. In den Kriegsjahren wurden diese Werke in 39 Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt.

Die Kriegsfotografen unterstützten den „militärischen Pressedienst“ sowie die „Propaganda-tätigkeit“. Sie stellten Journalisten und Künstlern das notwendige Material zur Verfügung. Das

Bildmaterial der Künstler und Fotografen wurde genau selektiert und somit steuerte das KPQ die Vorstellungen der Bevölkerung über den Krieg.

Kriegsmalerei: Beispiele

finale

 

Albin Egger Lienz, Finale, 1918 Sammlung Leopold II, Wien

 

BoleslavskiAnton Kolig, Hauptmann Boleslavski 1916, Leopold Museum Wien

 

RuinenlandschaftAnton Kolig, Ruinenlandschaft um 1917, Privatsammlung

Fragen zu den zitierten Quellen:

1. Was ist die Kernaussage der Textquelle?

2. Welche Absichten verfolgt der Autor?

Anregungen zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema:

1. Welches Thema bzw. welchen Inhalt hat der Künstler dargestellt?

2. Welche Stimmungen vermittelt das Bild?

Wie sind die Personen dargestellt?

3. Was weißt du über die Entstehung des Bildes?

Für welchen Zweck war es gedacht?

4. Ist der Künstler bemüht, die Wirklichkeit abzubilden?

5. Kann man die Aussagen des Bildes durch andere Quellen (z.B. Bilder, Texte…)

bestätigen, erweitern oder korrigieren?

Erkläre folgende Begriffe:

K.u.k. Doppelmonarchie

Kriegspressequartier

Kunstgruppe

Nötscher Kreis

Kriegsmaler

Ausstellungen im Gedenkjahr 2014

1) „Totentanz. Albin Egger-Lienz und der Krieg“, 7.3. bis 9.6., Unteres Belvedere, Rennweg 6, 1030 Wien. www.belvedere.at

2) „Trotzdem Kunst!“, 9.5. bis 15.9., Leopold Museum, MuseumsQuartier, 1070 Wien. www.leopoldmuseum.org

3) „Krieg, Trauma, Kunst“, 9.5. bis 28.9., Salzburg Museum, Mozartplatz 1, 5010 Salzburg. www.salzburgmuseum.at

5) Neueröffnung Saalgruppe „Erster Weltkrieg“, 28. 6., Heeresgeschichtliches Museum, Arsenal, Objekt 1, 1030 Wien
www.hgm.or.at

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